Ein typischer Montag in einem Münchener Maklerbüro: Freitagabend wurde eine neue 3-Zimmer-Wohnung in Schwabing auf ImmobilienScout24 eingestellt — bis Sonntagmittag sind 47 Anfragen eingegangen. Jetzt sitzt der Makler vor einem überquellenden Postfach und versucht, Besichtigungstermine automatisieren zu improvisieren: Wer hat wirklich Interesse? Wer passt zur Wohnung? Wer hat noch kein Datum genannt? Die reine Terminkoordination dauert bis zu vier Stunden. Für ein einzelnes Objekt.

Warum die Terminkoordination der größte versteckte Zeitfresser ist

Der eigentliche Wertschöpfungsauftrag eines Maklers — qualifizierte Interessenten auswählen, Vertrauen aufbauen, Abschlüsse sichern — findet im persönlichen Gespräch und bei der Besichtigung statt. Alles davor ist Verwaltung.

Konkret bedeutet das für die meisten Maklerbüros in Bayern:

Das Ergebnis: Etwa 28 % der Besichtigungstermine enden als No-Show, wenn keine automatische Erinnerung verschickt wird. Und der Makler hat 3–4 Stunden in die Koordination investiert — bevor die erste Besichtigung stattgefunden hat.

Wie ein n8n-Workflow die Koordination übernimmt

Das Grundprinzip ist einfach: n8n beobachtet eingehende Anfragen, schickt automatisch ein Qualifizierungsformular, bewertet die Antworten nach vordefinierten Kriterien und vergibt dann — nur an geeignete Interessenten — einen Buchungslink für freie Zeitslots. Alles weitere läuft automatisch: Kalendereinträge, Bestätigungen, Erinnerungen, CRM-Updates.

Für diesen Workflow benötigen Sie: n8n (selbst gehostet oder Cloud), ein Buchungstool wie Calendly oder Cal.com (Open-Source-Alternative), Ihr bestehendes Makler-CRM (OnOffice oder Propstack) und optional einen WhatsApp-Business-API-Anschluss über Superchat.

Schritt 1: Eingehende Anfragen zentralisieren

Alle Immobilienportale — ImmobilienScout24, Immowelt, Immo.de — können neue Kontaktanfragen per E-Mail weiterleiten. Ein Gmail-Node oder IMAP-Node in n8n überwacht dieses Postfach und triggert den Workflow bei jeder neuen Nachricht. Alternativ bietet OnOffice eine Webhook-Option, über die Leads direkt aus dem CRM herausgeführt werden können — ohne E-Mail-Umweg.

Schritt 2: Qualifizierungsformular automatisch versenden

Sobald eine neue Anfrage erkannt wird, extrahiert ein Set-Node die E-Mail-Adresse des Interessenten und schickt via Gmail-Node eine personalisierte Antwort — mit Link zu einem strukturierten Fragebogen (Typeform, JotForm oder Google Forms).

Das Formular enthält typischerweise:

Das Formular sollte kurz bleiben — fünf bis sieben Fragen maximal. Längere Formulare werden von weniger als 40 % der Interessenten vollständig ausgefüllt, was die Qualifizierungsgrundlage verschlechtert.

Schritt 3: Antworten auswerten und Interessenten filtern

Ein Webhook-Node empfängt die ausgefüllten Formulare in Echtzeit. Anschließend prüft ein IF-Node die definierten Mindestkriterien des Vermieters:

Wer die Kriterien erfüllt, geht in den nächsten Schritt. Wer nicht passt, erhält automatisch eine höfliche Absage per Gmail-Node mit konkretem Hinweis.

⚠️ Typische Fehlerquelle: Zu strenge Filterregeln
  • Problem — Wenn der Qualifizierungsfilter zu restriktiv konfiguriert ist, blockt der Workflow gute Kandidaten heraus, weil Antworten fehlen oder unvollständig sind.
  • Lösung — Fehlende Antworten nicht als Ausschlusskriterium, sondern als Unklarheit markieren. Eine separate Flagge im CRM genügt — der Makler entscheidet dann manuell.
  • Node-TippIF-Node mit drei Ausgängen konfigurieren: „qualifiziert", „abgelehnt", „unklar (manuelle Prüfung)"

Qualifizierte Interessenten erhalten automatisch einen personalisierten Buchungslink über Calendly oder Cal.com. Dort wählen sie selbst einen freien Zeitslot aus den vordefinierten Besichtigungsfenstern — ohne weiteren E-Mail-Austausch.

Wenn ein Termin gebucht wird, löst der Calendly-Webhook einen zweiten n8n-Workflow aus:

Schritt 5: Automatische Erinnerungen 24 Stunden vorher

Ein separater n8n-Workflow mit Schedule Trigger (läuft täglich um 8 Uhr) prüft alle Besichtigungen im Google Kalender, die in den nächsten 24 Stunden stattfinden, und sendet jedem Interessenten eine Erinnerungs-E-Mail — oder, wenn WhatsApp-Business-API verfügbar ist, eine WhatsApp-Nachricht über Superchat.

Die No-Show-Rate sinkt mit dieser Maßnahme erfahrungsgemäß von 28 % auf unter 10 %.

SchrittVorher (manuell)Nachher (n8n)
Anfragen sichten und sortieren45–60 min täglichautomatisch, 0 min
Qualifizierungsformular versenden3–5 min pro Interessentautomatisch, 0 min
Zeitslot per E-Mail abstimmen2–4 Nachrichten pro PersonInteressent bucht selbst
Termin in Kalender + CRM eintragen5 min pro Terminautomatisch, 0 min
Erinnerung versendenoft vergessenautomatisch 24 h vorher
Gesamtaufwand pro Objekt3–4 Stunden20–30 Minuten (nur Kontrolle)

Praxisbeispiel: Ein Maklerbüro in Ingolstadt mit 12 aktiven Objekten

Eine Maklerin aus Ingolstadt betreute Anfang 2025 gleichzeitig 12 Mietobjekte — von Altbauwohnungen in der Altstadt bis zu Neubau-Maisonettes in Gerolfing. Das Hauptproblem war nicht das Finden von Interessenten, sondern die schiere Anzahl: Für jedes Objekt gingen im Schnitt 35 Anfragen ein, was wöchentlich rund 40 Stunden Verwaltungsarbeit bedeutete.

Nach der Einrichtung des n8n-Workflows mit OnOffice-Anbindung und Calendly sank der Koordinationsaufwand auf etwa 6 Stunden pro Woche. Die Maklerin prüft seither nur noch die „unklar”-geflaggten Anfragen manuell und genehmigt Besichtigungslisten in OnOffice. Alle anderen Schritte laufen vollständig automatisch.

Konkret bedeutete das für ein typisches Objekt:

Die Qualität der Besichtigungen stieg ebenfalls: Weil Interessenten bereits vorab grundlegende Angaben gemacht hatten, waren die Gespräche vor Ort strukturierter und die Entscheidungswege kürzer.

Welche CRM-Systeme funktionieren mit diesem Workflow?

Die beiden am weitesten verbreiteten Systeme bei gewerblichen Maklern in Bayern sind OnOffice und Propstack. Beide bieten REST-APIs, über die n8n via HTTP Request-Node Kontakte anlegen, Termine eintragen und Statusänderungen vornehmen kann.

OnOffice: Sehr weit verbreitet, stabile API mit ausführlicher Dokumentation. Der API-Token wird im OnOffice-Backend unter „Administration → API” generiert. Typischer Endpunkt für die Kontaktanlage: POST /api.php mit actionKey: FS_CREATE_RECORD.

Propstack: Modernere Oberfläche, RESTful API mit JSON-Rückgaben. Gut geeignet für Maklerbüros, die gleichzeitig auf mehreren Portalen aktiv sind. Webhooks für eingehende Aktivitäten sind über die Propstack-Einstellungen direkt konfigurierbar.

Wer noch kein dediziertes Makler-CRM einsetzt, kann den Workflow auch mit einem allgemeinen CRM wie Pipedrive oder HubSpot aufbauen — beide haben native n8n-Nodes und sind deutlich einstiegsfreundlicher.

Wie Portal-Leads generell ins CRM eingepflegt und vorqualifiziert werden, erklärt der Artikel Makler-CRM automatisieren.

DSGVO-Hinweise für den Qualifizierungsworkflow

Das Qualifizierungsformular erfasst personenbezogene Daten. Folgende Punkte sollten vor dem Produktiveinsatz geklärt sein:

Wie DSGVO-Anforderungen bei Makler-Unterlagen generell umgesetzt werden, erklärt unser Ratgeber zu DSGVO-konformen Verträgen.

Schritt für Schritt zum ersten laufenden Workflow

Wenn Sie den Workflow selbst aufbauen wollen, hat sich diese Reihenfolge in der Praxis bewährt:

  1. Qualifizierungsformular erstellen (Google Forms reicht für den Start)
  2. Calendly mit begrenzten Zeitslots einrichten — z.B. 3 Besichtigungsfenster à 30 Minuten pro Tag
  3. n8n-Basisworkflow: Postfach überwachen → Formularlink versenden (zunächst ohne Filterung)
  4. Filterregeln ergänzen — erst nach 20–30 ausgefüllten Formularen, damit Sie die eigene Interessentenstruktur kennen
  5. OnOffice- oder Propstack-API-Anbindung im zweiten Schritt hinzufügen — so läuft der Workflow schnell, ohne von der CRM-Konfiguration abhängig zu sein

Wer sich beim Exposé-Workflow bereits mit n8n vertraut gemacht hat, kann direkt bei Schritt 3 einsteigen.

Wer unsicher ist, welche Prozesse im eigenen Maklerbüro automatisierbar sind, kann eine kostenlose Potenzialanalyse anfragen — in 30 Minuten, ohne Fachchinesisch, mit konkreten Einsparpotenzial-Zahlen für Ihr Büro.

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FAQ

Wie viele Besichtigungen pro Tag sind für einen Makler realistisch? +

In der Praxis sind 4–6 qualifizierte Besichtigungen pro Tag das Maximum, wenn ein Makler alleine arbeitet — jede Besichtigung dauert mit An- und Abfahrt mindestens 45 Minuten. Mehr lohnt sich selten: Zu viele Termine hintereinander reduzieren die Gesprächsqualität und damit die Abschlusswahrscheinlichkeit. Mit automatisierter Vorqualifizierung steigen stattdessen die Qualität der Besichtigungen und die Anzahl der Vertragsabschlüsse pro Besichtigungsrunde.

Wie qualifiziere ich Mietinteressenten vor der Besichtigung rechtssicher? +

Ein einfaches Online-Formular mit Haushaltsgröße, Einzugsdatum und Frage nach Haustieren ist datenschutzrechtlich unbedenklich, wenn eine DSGVO-konforme Datenschutzerklärung verlinkt ist und ein AVV mit dem Formularanbieter vorliegt. Einkommensnachweise dürfen erst nach ausdrücklicher Einwilligung angefordert werden — und frühestens nach einer konkreten Absichtserklärung. Das Formular im Vorfeld spart Ihnen die Selbstauskunftsgespräche während der Besichtigung.

Kann n8n Besichtigungstermine direkt in OnOffice eintragen? +

Ja, über die OnOffice-REST-API und den n8n-HTTP-Request-Node ist das möglich. Sie benötigen einen API-Token aus dem OnOffice-Backend und den Endpunkt für Aktivitäten oder Termine — abhängig von Ihrer OnOffice-Version. Die API ist stabil, aber eine sorgfältige Fehlerbehandlung im Workflow ist wichtig, insbesondere wenn ein Interessent mehrfach einen Zeitslot bucht.

Wie verhindere ich No-Shows bei Besichtigungen? +

Automatische Erinnerungen 24 Stunden vor dem Termin via E-Mail oder WhatsApp reduzieren No-Shows erfahrungsgemäß von 28 % auf unter 10 %. Hilfreich ist außerdem, im Bestätigungsschreiben Parkmöglichkeiten und Klingelschild zu nennen — ein relevanter Teil der verpassten Termine entsteht durch Orientierungsprobleme vor Ort, nicht durch mangelndes Interesse.

Eignet sich die Automatisierung auch für kleinere Maklerbüros mit 2–3 Mitarbeitern? +

Ja, und besonders dort rechnet sie sich schnell. Ein Maklerbüro mit 3 Mitarbeitern und 15 aktiven Objekten kann mit diesem Workflow 20–30 Stunden Verwaltungsarbeit pro Woche einsparen. Der Einrichtungsaufwand für den Basis-Workflow ohne CRM-Integration liegt bei 6–8 Stunden und lässt sich mit n8n-Cloud ohne eigene Serverinfrastruktur umsetzen.

Burak Bas

Gründer & KI-Automatisierungsexperte bei BTS Intelligence. Hat für Immobilienmakler in Bayern Besichtigungsworkflows aufgebaut, die 40+ Interessentenanfragen pro Objekt ohne manuelle Koordination verwalten. BTS Intelligence begleitet Betriebe von der kostenlosen Potenzialanalyse bis zum Digitalbonus-Antrag.

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