In vielen Steuerkanzleien läuft jeden Monat derselbe Countdown ab: Am 20. beginnt der Lohnlauf-Stress. Eine Sachbearbeiterin fragt beim ersten Mandanten per E-Mail nach Stunden und Kranktagen — beim zweiten fehlen die Angaben zu einer neuen Mitarbeiterin, beim dritten kommen die Daten erst am 26. und reißen den internen Zeitplan. Lohnabrechnung automatisieren bedeutet: Diese Dateneinforderung, die Vollständigkeitsprüfung und der Versand der Lohnstreifen laufen weitgehend von selbst — die Sachbearbeiterin steuert nur noch Ausnahmen.

Warum der Lohnlauf so viel Zeit kostet

Wenn man mit Sachbearbeiterinnen in Steuerkanzleien spricht, wird schnell klar: Das eigentliche Problem beim Lohnlauf ist nicht die Verarbeitung in DATEV LODAS oder DATEV Lohn und Gehalt — das System ist bekannt, der Ablauf ist definiert. Das Problem ist die Phase davor: das Einsammeln der Daten von Mandanten.

Eine typische Kanzlei mit 15 Lohn-Mandaten und 80 Arbeitnehmern verbringt 6–8 Stunden pro Monat damit, pro Mandant nachzuhaken: Wer war krank? Wer hat Überstunden gemacht? Gibt es neue Mitarbeiter? Hat jemand Urlaub aus dem Vormonat übertragen? Gab es eine Gehaltserhöhung? Diese Fragen stellen sich jeden Monat neu, und die Antworten kommen aus E-Mails, Anrufen, Excel-Tabellen, manchmal sogar aus handgeschriebenen Zetteln.

Dazu kommt die Fehlerquelle: Wenn Mandant A in einer losen E-Mail schreibt „Karl war 3 Tage krank”, muss die Sachbearbeiterin entscheiden, ob es sich um Kalender- oder Arbeitstage handelt, ob Karl Vollzeit oder Teilzeit ist, und wie das in LODAS einzupflegen ist. Jede fehlende Angabe kostet einen Rückfrage-Schleifen.

Was sich automatisieren lässt — und was nicht

Klare Erwartungssetzung ist wichtig, damit kein falsches Bild entsteht. Der Lohnlauf-Workflow greift an den Stellen an, die sich eindeutig strukturieren lassen:

✅ Automatisierbar beim Lohnlauf
  • Monatliche Dateneinforderung — strukturierte Anfrage an Mandanten, automatisch ausgelöst
  • Vollständigkeitsprüfung — sind alle Pflichtfelder ausgefüllt, oder fehlen Angaben?
  • Erinnerungen und Eskalation — Nachhaken nach 24h, Übergabe an Sachbearbeiterin bei Ausbleiben
  • LODAS-Importdatei vorbereiten — aus strukturierten Antworten wird die Import-CSV generiert
  • Lohnstreifen-Versand — nach Abruf aus DATEV automatisch an Arbeitnehmer verteilen
  • SEPA-Avis-Bestätigung — Gehaltsüberweisung-Bestätigung an Mandanten versenden

Was der Workflow bewusst nicht übernimmt: die Lohnverarbeitung selbst in DATEV LODAS, die steuerliche Beurteilung von Sonderfällen (Kurzarbeit, betriebliche Altersvorsorge, Sachbezüge), die Anmeldung bei der Krankenkasse oder das Erzeugen von Meldungen. Das bleibt Aufgabe der Sachbearbeiterin — aber sie arbeitet dann mit vollständigen, geprüften Daten statt fragmentierten Rückfragen.

Schritt 1 — Monatliche Dateneinforderung automatisieren

Der Workflow startet mit einem Cron-Node in n8n: Am 20. jeden Monats um 8:00 Uhr wird für jeden aktiven Lohn-Mandanten eine strukturierte E-Mail ausgelöst. Die E-Mail enthält entweder eine kurze Checkliste mit Ja/Nein-Feldern oder einen Link zu einem mandantenspezifischen Online-Formular — je nach Digitalisierungsstand des Mandanten.

Das Formular fragt genau das ab, was für DATEV LODAS benötigt wird:

Die Antwort kommt strukturiert per E-Mail-Reply oder Formular-Webhook-Node zurück. Ein Set-Node normalisiert die Felder — unterschiedliche Schreibweisen werden vereinheitlicht. Danach prüft ein IF-Node die Vollständigkeit: Sind alle Pflichtfelder für alle Mitarbeiter ausgefüllt? Fehlen Angaben, geht sofort eine freundliche Nachfrage mit Hinweis auf die fehlenden Felder.

Bleiben die Daten nach 24 Stunden unvollständig, eskaliert der Workflow per Gmail- oder Outlook 365-Node an die zuständige Sachbearbeiterin — mit einer Übersicht, welche Angaben fehlen. Die Sachbearbeiterin greift dann gezielt ein, statt täglich alle Mandanten prüfen zu müssen.

Schritt 2 — LODAS-Importdatei vorbereiten

Sobald vollständige Daten vorliegen, erstellt der Workflow automatisch eine LODAS-konforme Importdatei. DATEV LODAS unterstützt den Import über eine strukturierte CSV-Datei, deren Format DATEV dokumentiert. Ein Code-Node in n8n transformiert die gesammelten Mandanten-Antworten in dieses Format: Personalnummer, Abrechnungsmonat, Lohnart, Betrag oder Stunden — pro Zeile ein Wert.

Die fertige Importdatei landet in einem geteilten Ordner (OneDrive oder einem deutschen Netzlaufwerk), der für die Sachbearbeiterin direkt zugänglich ist. Gleichzeitig verschickt der Workflow eine kurze Benachrichtigung: „Importdatei für Mandant [Mustermann GmbH], Lohnmonat Juni, liegt bereit.” Die Sachbearbeiterin öffnet LODAS, importiert die Datei, prüft die Vorschau und startet den Abrechnungslauf — statt 45–60 Minuten manueller Eingabe dauert das 8–12 Minuten.

SchrittVorher (manuell)Nachher (automatisiert)
Dateneinforderung8–15 E-Mails / Anrufe pro Mandant1 automatische Anfrage, Erinnerung bei Ausbleiben
VollständigkeitsprüfungSachbearbeiterin prüft manuellIF-Node prüft alle Pflichtfelder automatisch
LODAS-Dateneingabe45–60 Min. pro MandantImport-CSV per Klick — 8–12 Min. pro Mandant
Lohnstreifen-VersandManuelles Weiterleiten per E-MailAutomatischer Versand nach LODAS-Abschluss
Gesamtaufwand (15 Mandate)6–8 Stunden1,5–2 Stunden

Schritt 3 — Lohnstreifen-Versand automatisieren

Nach dem Abrechnungslauf erzeugt DATEV LODAS die Lohnstreifen als PDF-Dateien — pro Arbeitnehmer eine Datei. In vielen Kanzleien werden diese Dateien dann händisch an die Mandanten weitergeleitet, die sie ihrerseits an ihre Mitarbeiter verteilen. Das ist ein weiterer manueller Schritt, der sich nahezu vollständig automatisieren lässt.

Der Workflow überwacht einen definierten DATEV-Ausgabeordner auf neue Lohnstreifen-PDFs. Sobald neue Dateien erkannt werden, werden sie anhand der Personalnummer der richtigen Mitarbeiter-E-Mail zugeordnet — eine Zuordnungstabelle (Personalnummer → E-Mail) ist einmalig pro Mandant zu pflegen. Ein HTTP Request-Node oder Gmail-Node schickt jeden Lohnstreifen vertraulich an den betreffenden Mitarbeiter, optional mit einem kurzen Text des Mandanten.

Gleichzeitig erhält der Mandant eine Bestätigung: „Lohnstreifen für [Monat] wurden versendet — 7 von 7 Mitarbeitern beliefert.” Rücklauf-Handling (ungültige E-Mail-Adresse) eskaliert an die Sachbearbeiterin.

Praxisbeispiel: Steuerberatungskanzlei in Landshut

Eine Steuerkanzlei in Landshut mit drei Sachbearbeiterinnen betreut 18 Lohn-Mandate mit insgesamt 95 Arbeitnehmern. Vor der Automatisierung verbrachte die zuständige Sachbearbeiterin jeden Monat rund 7 Stunden mit der Dateneinforderung — viele Rückfragen per Telefon, fehlende Angaben zu Teilzeit-Sonderregeln, Excel-Tabellen die per E-Mail kamen und dann in LODAS händisch übertragen wurden.

Der Lohnlauf-Workflow wurde in 5 Wochen eingerichtet. In den ersten zwei Monaten kamen noch einzelne Mandanten-Rückmeldungen über den alten E-Mail-Weg an — der Workflow erkannte die freien Texteingaben nicht zuverlässig und eskalierte diese an die Sachbearbeiterin. Nach einer Nachschulung der drei Mandanten, die das Formular zunächst ignorierten, laufen inzwischen 16 von 18 Mandanten vollautomatisch durch den Workflow. Die Sachbearbeiterin greift nur noch bei den verbleibenden zwei Mandanten manuell ein — und bearbeitet die Ausnahme-Eskalationen der anderen 16, die sich auf 3–4 Fälle pro Monat belaufen.

Zeitaufwand heute: knapp 2 Stunden statt 7. Die eingesparten 5 Stunden fließen in die Erstellung von Lohnkostenabrechnungen und die Beratung zu Themen wie betriebliche Altersvorsorge — echte Beratungsleistung statt Datenpflege.

DSGVO und Mandantengeheimnis beim Lohnlauf

Lohndaten sind besonders schützenswert: Gehälter, Kranktage, Kontonummern für SEPA — all das fällt unter das Berufsgeheimnis und unterliegt gleichzeitig dem Beschäftigtendatenschutz nach § 26 BDSG. Beim Lohnlauf-Workflow gelten daher dieselben Pflichten wie bei jedem anderen Kanzlei-Workflow, in manchen Punkten noch schärfer:

Ein Set-Node zur Pseudonymisierung vor jeder KI-gestützten Verarbeitung ist keine optionale Maßnahme — er ist Pflicht. Konkret: Wenn der Workflow Freitexte aus Mandanten-Antworten verarbeitet (etwa „Karl hat diese Woche 3 Tage Urlaub und 1 Tag Krank gehabt”), wird der Name vor einer KI-Klassifikation durch eine Kennung ersetzt. Das KI-Modell sieht „Mitarbeiter-7 hat 3 Tage Urlaub und 1 Tag Krank”, nicht den echten Namen.

Für den Lohnstreifen-Versand gilt: Lohnstreifen-PDFs dürfen nicht über US-Cloud-Dienste geroutet werden. Weder Google Drive noch Dropbox als Zwischenablage sind hier akzeptabel. Der Workflow nutzt entweder ein deutsches Netzlaufwerk oder einen Hetzner-gehosteten Dateiserver als temporäre Zwischenstation. Details zur DSGVO-Architektur für n8n-Workflows finden Sie im Ratgeber DSGVO-konforme Automatisierung.

AVV, TOMs und ein Datenfluss-Diagramm für das Verarbeitungsverzeichnis der Kanzlei sind Pflichtbestandteile jeder Einrichtung. Für Kanzleien in Bayern gilt zusätzlich: Der Digitalbonus Bayern fördert Digitalisierungsprojekte mit bis zu 50 % der Projektkosten — auch Lohnlauf-Automatisierungen fallen in den förderfähigen Bereich, sofern die Kanzlei unter 50 Mitarbeiter hat.

Welche Voraussetzungen die Einrichtung braucht

Aus unserer Erfahrung aus mehreren Kanzlei-Projekten lässt sich sagen: Das technische Setup ist die einfachere Seite. Die eigentliche Arbeit liegt in den ersten Wochen darin, die Mandanten auf die strukturierte Datenlieferung umzustellen. Mandanten, die seit Jahren E-Mails mit Freitext schicken, brauchen eine kurze Anleitung und ein bis zwei begleitende Rückmeldungen, bis das neue Format sitzt.

Drei Dinge helfen dabei: erstens ein klar gestaltetes Formular, das genau die Fragen stellt, die der Mandant sowieso beantworten muss — nicht mehr. Zweitens eine kurze Einstiegs-E-Mail an alle Mandanten, die erklärt, was sich ändert und warum. Drittens ein Übergangsmonat, in dem der alte Weg noch parallel funktioniert.

Auf der technischen Seite reichen für den Start: Zugang zu DATEV LODAS oder Lohn und Gehalt, ein deutsches E-Mail-Konto (Outlook 365 oder Gmail mit Workspace), und ein Server oder Hetzner-VPS für n8n. Weder eigenes IT-Personal noch DATEV-Programmierkenntnisse sind notwendig — die Einrichtung übernehmen wir vollständig.

Für eine kostenlose Analyse Ihres aktuellen Lohnlauf-Ablaufs — wie viele Mandate, welche DATEV-Version, wo die meiste Zeit verloren geht — bieten wir ein unverbindliches 30-minütiges Erstgespräch an. Innerhalb von 48 Stunden liegt ein verbindliches Festpreisangebot vor.

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FAQ

Kann n8n direkt in DATEV LODAS schreiben? +

Nicht direkt — DATEV LODAS hat keine offizielle REST-API für externe Schreibzugriffe. In der Praxis erfolgt die Übergabe über das strukturierte LODAS-Importformat (CSV/LODAS-Datei). n8n erstellt diese Importdatei automatisch aus den gesammelten Mandantendaten; die Sachbearbeiterin löst den LODAS-Import aus — ein Klick statt 60 Minuten manuelle Eingabe.

Lässt sich die Dateneinforderung von Mandanten automatisieren? +

Ja — und das ist oft der größte Hebel. n8n schickt am 20. jeden Monats eine strukturierte Anforderung an den Mandanten: Wochenstunden, Kranktage, neue Mitarbeiter, Gehaltsänderungen. Die Antwort kommt strukturiert zurück, der Workflow prüft Vollständigkeit automatisch und eskaliert bei fehlenden Angaben an die Sachbearbeiterin.

Was passiert, wenn ein Mandant die Daten zu spät liefert? +

Der Workflow erkennt, dass keine Rückmeldung eingegangen ist, und schickt nach 24 Stunden automatisch eine Erinnerung. Bleibt die Antwort aus, eskaliert er an die zuständige Sachbearbeiterin. Sie muss nicht mehr selbst alle offenen Fälle im Blick behalten — sie sieht nur noch die echten Problemfälle.

Ist der Lohnlauf-Workflow mandantengeheimnistauglich? +

Ja, unter drei Bedingungen: Hosting auf deutschen Servern (Hetzner, IONOS), keine US-KI-Dienste für personenbezogene Lohndaten, AVV mit dem Dienstleister. Lohndaten sind besonders schützenswert — wir nutzen bei KI-Anteilen ausschließlich EU-Modelle und pseudonymisieren vor jeder Verarbeitung.

Welche DATEV-Version brauche ich für einen Lohnlauf-Workflow? +

Der Workflow funktioniert mit DATEV LODAS und DATEV Lohn und Gehalt (L+G). LODAS ist für kleinere Kanzleien häufiger im Einsatz; L+G bei größeren Mandantsstrukturen. Die entscheidende Frage ist, welche Importwege in Ihrem Setup aktiviert sind — das klärt ein 30-minütiges Erstgespräch.

Burak Bas

Gründer & KI-Automatisierungsexperte bei BTS Intelligence. Hat in mehreren bayerischen Steuerkanzleien Lohnlauf-Workflows eingerichtet und kennt die typischen Stolperstellen bei DATEV LODAS-Anbindungen. BTS Intelligence begleitet Betriebe von der kostenlosen Potenzialanalyse bis zum Digitalbonus-Antrag.

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